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STADTSOMMER Mitte Juni hat in Wien Sommer zu herrschen. Basta. Dafür, dass auch der Sommer 2002 ein guter wird, sorgen allerlei Veranstaltungen, Orte und Einrichtungen: manche bereits altbewährt (Donauinselfest dieses Wochenende), einige ganz neu (der MQ-Sommer). Ein Überblick. THOMAS PRLIC und CHRISTOPHER WURMDOBLER |
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Sommerloch? Nicht in dieser Stadt. Es gibt Menschen, die verstehen gar nicht, dass jemand Wien im Sommer überhaupt urlaubstechnisch verlassen muss - beziehungsweise es gerne tun würde. Und das ist auch gar nicht so abwegig, schließlich ist die Stadt im Sommer meistens sehr heiß, sehr leer (solange man sich nicht gerade in touristischen Interessengebieten aufhält) und sehr schön. Aber neben vielen freien Parkplätzen, kilometerlangen Badestränden, Heurigen an der Peripherie und endlich einmal nicht überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln hat die Stadt jährlich mehr Attraktionen, die den Wiener Sommer noch erträglicher machen. Summer Stage, Freiluftkinos, Festivals: Wieso eigentlich wegfahren? Hier eine Auswahl an Ereignissen und temporären Einrichtungen, die Wien noch heißer machen, geordnet nach "Gebieten": Sommer auf der Donauinsel Es gibt Wochenenden, an denen tummeln sich mehr Menschen auf der Donauinsel, als Wien Einwohner hat. Dieses Wochenende wird wohl wieder so eines werden - wie jedes Jahr, wenn um diese Jahreszeit die Wiener SPÖ zum Donauinselfest bläst. Im vergangenen Jahr kamen an drei Tagen 2,6 Millionen Menschen, um sich zwischen Nord- und Reichsbrücke an kilometerlangen Reihen von Würstl-, Kebab- und Grillstandln die Bäuche vollzuschlagen, zu trinken, in den Wiesen zu liegen oder sich vor einer der zahllosen Bühnen das legendär vielschichtige Rahmenprogramm (von DJ Ötzi bis zu den deutschen Rappern Eins Zwo reicht heuer das Spektrum) zu Gemüte zu führen. Auch wenn es - abgesehen vom Ballermann-Rummel bei der Sunken City ? sonst nicht ganz so hektisch und lautstark zugeht: Mit ihren 21 Kilometern Länge ist die Donauinsel im Sommer das Bibione der Wienmenschen. Obwohl es hier keine Sandstrände gibt und die Wasserqualität im Vorjahr nach einem jüngst veröffentlichten EU-Bericht an mehreren Badestellen an der Neuen Donau (die eigentlich ein stehendes Gewässer ist) die Mindeststandards nicht erreichte. Strände, wie etwa die berühmte Copa Cagrana, und Badeplätze gibt es nicht nur auf der Insel-, sondern auch auf der Festlandseite. Während ansonsten in der Regel Badehosengebot herrscht, wird besonders in der Lobau (nach der Stein- spornbrücke) dem Freikörperkult gefrönt. Hier kann man entlang der Uferpromenade nach dem Baden in einigen Restaurants (angezogen) Steckerlfisch und Koteletts schmausen, ansonsten gilt überall auf der Insel: Selbst gemacht schmeckts am besten. Wer auf der Donauinsel grillen will, darf das allerdings nur an bestimmten Plätzen tun und sollte sich vorher via Internet (siehe unten) oder übers Grilltelefon (Tel. 4000-964 96) anmelden. In einigen Grillzonen ist das Freiluftbraten auch ohne Voranmeldung erlaubt. Gerade im Sommer gilt die Donauinsel auch als Radfahrer- und Inlineskaterparadies, wer mit Auto oder U-Bahn anreist, kann sich beispielsweise beim Verleih an der U1-Station Donauinsel rollende Untersätze ausborgen. Darüber hinaus gibts zwischen Floridsdorfer- und Brigittenauer Brücke zahlreiche Fußball- und Volleyballplätze, auch auf dem Wasser wird gesportelt: Surfer lassen sich vom Wind durch Gruppen von Schwimmern treiben, und oberhalb der Praterbrücke kann auch per Wasserski über die sanften Donauwogen gedüst werden. Fazit: Wer keine Adria hat, braucht eine Donauinsel. Bisweilen dosensardinenartige Zustände inklusive. Sommer in der City Naherholungsgebiete finden sich nicht nur am Stadtrand, sondern auch mitten in Wien. Mit der Entdeckung der Event-Kultur eroberten sich auch immer mehr Feste und Dauerveranstaltungen den öffentlichen Raum. Zu den Klassikern zählt mittlerweile das Musikfilm-Festival am Rathausplatz. Möglicherweise kommen die Besucherscharen gar nicht so sehr wegen der gezeigten Filme - Opern- und Operettenmittschnitte werden auf eine nicht ganz so große Leinwand vor dem Rathaus projiziert ?, sondern wegen des kulinarischen Angebots. Trink- und Fressstände locken vor allem Wienbesucher an, und die haben hier ab 29. Juni hoffentlich auch ihren Spaß. Allerdings nur bei wirklich guter Witterung. Bis 1. September. Erstmals lädt heuer das MuseumsQuartier (MQ) zum Frischluftschnappen ein. Der laut Eigenwerbung "außergewöhnlichste Sommersitz Österreichs" will mit - übrigens begrüßenswerten - Erweiterungen der Gastgärten, Sommerfesten und riesigen Outdoor-Möbeln aus Schaumstoff mehr Besucher ins MQ locken. Die einzelnen Institutionen präsentieren ein spezielles Sommerprogramm. Viel versprechend, vor allem an lauen Sommerabenden, klingen die Musikpicknicks. Die gibts jeden Sonntag ab 18 Uhr und werden vom Jazzfest Wien sowie !5haus, monochrom und Spoiler programmiert, also einer Auswahl jener neuen Mieter, die dann ab Herbst im so genannten Quartier 21 residieren. Apropos Mieter: Ob der MQ-Sommer samt Festen und Picknicks tatsächlich an die erfolgreiche Eröffnung vergangenen Jahres anknüpfen kann, bei der es ein absolutes Muss war, dabei gewesen zu sein, wird sich zeigen. Denn von den alten MQ-Mietern, also jenen Menschen, die seit Jahren auf dem Gelände wohnen, und deren Toleranz hängt vieles ab. Bekanntermaßen beschweren sich die MQ-Anrainer beim kleinsten Gläserklirren nach 22 Uhr. Auch im WUK sommerts. Nachdem in der Währinger Straße vergangenes Jahr der schöne - und teilweise begrünte - Innenhof für Clubs, Filmabende, Kinderprogramm und andere Veranstaltungen unter freiem Himmel genutzt wurde, gibt es auch heuer den "Sommer im WUK". Und zwar ab 29. Juni. Sonntags findet hier der Club Soulsugar seine Sommerbleibe, donnerstags gibts das Chactun's Essential Summer Festival, freitags die Light-Version von H.A.P.P.Y (House-DJs und Happy-nings), samstags wird der Innenhof zum "Alternative Playground". Bis Ende August. Und bei Schlechtwetter wird im WUK-Foyer gefeiert. Fazit: Neue und bewährte Eventzonen - zentraler sommerts nicht in dieser Stadt. Sommer am Donaukanal Natürlich liegt Wien an der Donau, aber wirklich durch die Stadt fließt der Donaukanal. Trotz der wesentlich besseren Erreichbarkeit und der innerstädtischen Lage steht der Kanal allerdings nicht gerade im Ruf eines Freizeitparadieses. Immerhin wurde die Gegend zwischen Schwedenplatz und zweitem Bezirk in den vergangenen Jahren durch neue Bauten architektonisch aufgewertet, erst kürzlich präsentierte die Stadt neue Pläne zur Verbesserung der Freizeit-Infrastruktur am kleinen braunen Fluss, der lange Zeit einer der Hauptarme der Donau war. Dabei gibt es hier schon jetzt - besonders an lauen Abenden - gar nicht so wenige sommerliche Betätigungsmöglichkeiten. Vor allem gastronomisch sind Donaukanal-Besucher gut versorgt. Dafür sorgt zwischen Mai und September die mittlerweile schon zur Institution gewordene (und bisweilen recht überlaufene) Summer Stage an der Roßauer Lände. Die verschiedensten Lokale bieten hier von mexikanischer, griechischer, Wiener und sogar jamaikanischer Küche eine bunte Palette an kulinarischen Genüssen, auf der überdachten Terrasse und im Glaspavillon kann man auch bei schlechtem Wetter speisen und Konzertklängen lauschen. Kürzlich wurde hier sogar eine Hundebar eröffnet. Mit Beachvolleyballplatz (samt Flutlicht) und Trampolinanlage befriedigt die Summer Stage auch sportliche Bedürfnisse - bis hin zum Verdauungsspielchen an der Bocciabahn. Am gegenüberliegenden Ufer, bei der Salztorbrücke, wird ebenfalls (auch vereinsmäßig) dem Boule-Spiel gehuldigt, allerdings in der französischen Version, dem Pétanque. Das ganze Jahr über wird entlang des Donaukanals gejoggt und geradelt, zu Wasser kann der Kanal per Ausflugsschiff (Ablegestelle bei der Schwedenbrücke) befahren werden. Im Sommer fläzen Pärchen und faulenzende Stadtmenschen (und Hundstrümmerln) in den Wiesen entlang des Ufers - einige dunkle Nischen unter den Brücken gelten übrigens als Outdoor-Love-Geheimtipp. Den zweiten Riesen-Schanigarten neben der Sommer Stage gibts beim Flex. Seit Jahren schon hat der Club Ideen für ein Schwimmbad, die Pläne der Stadt sehen allerdings kein Badevergnügen vor - dafür soll am Donaukanal eine Wildwasserstrecke entstehen. Aber auch ohne eigenes Becken haben die mutigen Spaßvögel von Xobarap schon mehrmals unter Beweis gestellt, dass sich das eher trübe Gewässer auch zum Planschen eignet. Fazit: Häufig unterschätztes Freizeitparadies mit Ausbaupotenzial. Sommer auf der Leinwand Sommerzeit ist Open-Air-Kino-Zeit. Denn wer mag schon gerne in heruntergekühlten Großraumkinos (oder stickigen Kleinkinos) sitzen, wenns draußen gerade angenehm warm ist. Besonders beliebt und bereits zum sechsten Mal die Wiener Sommerattraktion ist das "Kino unter Sternen". Dazu wird ab 11. Juli im Augarten eine 200 Quadratmeter große Leinwand aufgebaut. Bis zu tausend Besucher können sich dann dem bewährten Mix aus Klassikern der Filmgeschichte, Lieblingsfilmen, Raritäten und Premieren hingeben. Das Spezialprogramm widmet sich heuer den in den Dreißigerjahren gegründeten Hammer-Studios und zeigt unter dem Titel "Hammer - House of Horror" Gruselklassiker wie "The Curse of Frankenstein", "Dracula" oder "Thy Mummy" - genau richtig, um anschließend, vorbei am schaurigen Flakturm, durch den nächtlichen Park nach Hause zu gehen. Gezeigt werden die Filme übrigens größtenteils in der Originalversion mit Untertiteln. Sonntags gibt es eine Reihe von Picknicks und Referaten. Ab 17 Uhr sind die Versorgungsbetriebe geöffnet (es soll Leute geben, die nur zum Essen herkommen, ohne sich die Filme anzusehen), ab 21.30 Uhr starten die Filme. Seit mehr als elf Jahren gibts bereits das Volxkino, das einzige Wiener Wanderkino. Das Volxkino hat sich zur Aufgabe gemacht, Filme an Orte zu bringen, die sich abseits der bestehenden kulturellen Infrastruktur befinden. In Parks, Unterführungen, bei Gemeindebauten, auf Marktplätzen oder Parkhäusern werden bis Ende September quer durch die Stadt neue und alte Filme gezeigt: Von "Die fabelhafte Welt der Amelie" bis "Spiel mir das Lied vom Tod". Bei freiem Eintritt. Besonderes Augenmerk legt das Volxkino heuer auf die Präsentation junger Filmschaffender aus Österreich. So steht Wolfgang Murnbergers "Komm süßer Tod" ebenso auf dem Programm wie "Meine Mutter war ein Metzger" von Jörg Kalt. An insgesamt zwanzig verschiedenen Veranstaltungsorten und dreißig Veranstaltungstagen werden über vierzig Filme gezeigt ? vielleicht auch in Ihrer Nähe. Auch die Arena bietet ein Sommerkino (und damit eine Alternative zu den neuen Kinocentern in der Gegend). Ab 20 Uhr ist Einlass, ab 22 laufen die Filme: Klassiker und ganz neue Ware. Fazit: Besser als im Dunkeln sitzen ist Kino unter Sternen, Wolken, Nachthimmel. Sommer im Prater Nun ist es ja so, dass der Wiener Prater vor allem ein Sommerort ist und dass der Sommer dort auch ganz ohne Eventkultur, Megaraves und andere Veranstaltungen stattfinden kann. Wer trotzdem mehr sucht als eine bei Laufsportlern beliebte Trainingsstrecke, ein gut besuchtes Stadionbad etwa oder die berühmtesten Stelzen und tschechisches Bier im Schweizerhaus und all die anderen Attraktionen, kann sich auch heuer wieder ein paar hundert Meter weiter zur Tribüne Krieau begeben. Auf einer riesigen Leinwand werden ab 29. Juni Kinoklassiker und -renner gezeigt. Open Air versteht sich. Dazu gibts Gastronomisches, Gratisparkplätze und - je nach Witterung - jede Menge Gelsen. Unter der Woche ist hier ab 17 Uhr was los, am Wochenende wird bereits ab 11 Uhr gebruncht und gefrühstückt. Geplant sind auch Konzerte, Clubs und Festivals, das genauere Programm gibts demnächst auf der Homepage. Zu laut dürfte es musikalisch aber nicht zugehen: Erfahrungsgemäß sind die Anrainer sehr hellhörig - auch wenn das wunderschöne Areal mitten im Grünen liegt. Fazit: Wer sich auf den Weg begibt, wird mit Grün(ruhe)lage belohnt. Inklusive Freiluft-Cineplex. |
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Juni 2002 © FALTER
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