Sigi Bergmann ist der Heinz Prüller des Boxens: Alles, was der österreichische Fernsehzuschauer über den Boxsport weiß, hat er irgendwann aus Bergmanns Mund gehört. Mit der Sachkenntnis des Experten und der Leidenschaft des Fanatikers hat Sigi Bergmann in seinen 33 ORF-Jahren an die 3500 Kämpfe kommentiert, darunter natürlich alle großen Fights mit Muhammad Ali seit 1967.
Neben dem Boxen war der promovierte Historiker und ausgebildete Sänger im ORF auch für Rodeln zuständig; vor allem aber war er 18 Jahre lang Leiter und Moderator der Feature-Sendung "Sport am Montag", wo er unter anderem über glühende Kohlen lief, als es um die "Angst im Sport" ging. Der heute 64-jährige Bergmann ist seit drei Jahren pensioniert; zuletzt wurde er für die Olympischen Spiele in Salt Lake City aus der Pension geholt, wo er von den Rodel- und Skeletonbewerben berichtete. Das Gespräch fand an Bergmanns Sommerwohnsitz in Kärnten statt.
Falter: Woran denken Sie, wenn Sie an Muhammad Ali denken?
Sigi Bergmann: Das ist so ein komplexes Thema! Eigentlich denke ich an Kunst, an Tanz. Baryschnikow, Nurejew. Sie müssen sich vorstellen: Hundert Kilo so elegant zu bewegen, das ist ungeheuer. Und dann dieses eingebaute Fadenkreuz: Der hat gegen Leute, die mit einem Schlag ein Pferd umhauen würden, die Hände runterhängen lassen und den Schlag so getimt, dass er ihn um ein paar Zentimeter verfehlt hat. Dazu kommt seine Eloquenz, sein politisches Engagement, die Wandlung zum militanten Moslem. Wobei er sich mittlerweile wieder gewandelt hat: zum Weisen, der sagt, jede Religion hat ihre guten Seiten, der wichtigste Grundsatz für alle Menschen ist Liebe. Die allgemeine Meinung, dass jeder Boxer erstens ein Surm und zweitens ein Macho ist, widerlegt er auf der ganzen Linie: Er war wirklich der beste Boxer - und er ist der weichste, gütigste Mensch.
Ali kann angeblich nicht richtig lesen, und bei der Armee hat er den Intelligenztest nicht bestanden. Wie ist es möglich, dass er dennoch so witzig und eloquent war?
Ich weiß es nicht. Unintelligent kann er nicht sein. Sprüche kann man zwar auswendig lernen - aber er war ja auch total spontan. In den persönlichen Begegnungen habe ich immer das Gefühl gehabt, er spielt sich mit dem Ganzen, es taugt ihm irrsinnig. Also, da kenne ich Akademiker, die viel depperter sind.
Sie haben Ali mehrmals interviewt. Was haben Sie da erlebt?
1971 zum Beispiel hat er in Zürich gegen den Jürgen Blin, einen Europameister aus Deutschland, geboxt. Der Podgorski (der damalige ORF-Sportchef und spätere Generalintendant, d. Red.) hatte damals gerade das Buch "Cassius Clay - Reportage einer Karriere" geschrieben und mir einen Stoß mitgegeben, um sie signieren zu lassen. Ich komme nach dem Interview also mit den Podgorski-Büchern zu ihm und sage: "Champ, please, can you sign?" Er nimmt die Bücher, schaut sie an - und haut sie alle weg. Weil "Cassius Clay" daraufgestanden ist! "This writer must be a fool!", hat er gesagt. "This is no fool, this is my boss", sage ich. Darauf er: "He can also be a fool!" Dann hat er gesagt, ich soll ihm ausrichten, dass Cassius Clay sein Sklavenname ist - und hat unterschrieben.
Wenn Ali sich vor dem Kampf über seine Gegner lustig gemacht hat, dann war das nicht nur Spaß, sondern auch psychologische Kriegsführung, oder?
Da gibt es ein gutes Beispiel vom Kampf gegen George Foreman 1974 in Zaïre. Schwergewichtler sind Tiere, das sind die letzten Dinosaurier - auch was die Sexualität betrifft. Der Foreman dürfte dort den halben Busch niedergerissen haben - und am nächsten Tag hat er dann wieder bei null begonnen. Daraufhin haben ihm seine Betreuer Tranquilizer gegeben, dann ist er friedlich gewesen. Der Ali hat das mitbekommen, ist am Abend mit zwei schönen Frauen im Arm bei seinem Camp vorbeimarschiert und hat gerufen: "Schwuchtel! Arschgeige!" Der Foreman soll ganze Wände mit Schlägen umgelegt haben, so narrisch hat ihn das gemacht.
Auch kein feiner Zug, oder?
Ja, aber das ist part of the game. In Amerika ist das völlig normal. Was ich da alles erlebt habe! Einen Kampf vom Marvin Hagler haben sie einmal als "The War" vermarktet - da haben wir bei der Pressekonferenz alle einen Stahlhelm gekriegt. Ich traue den Amerikanern einiges zu - aber dass sie dieses "Ballyhoo" ernst nehmen, glaube ich dann doch nicht. Ali hat sich immer als "der Größte" bezeichnet. Hatte er Recht? Zu seiner Zeit war er der berühmteste Mensch der Welt. Sogar in der Sowjetunion wurden alle Kämpfe von Ali übertragen! Für die Sowjets war Profisport immer dekadent und furchtbar - beim Ali haben sie eine Ausnahme gemacht. Ich bin überzeugt: Ein durchschnittlicher Russ' hat den Namen Ali gekannt, aber wenn du ihn gefragt hättest, wer der amerikanische Präsident ist, hätte er keine Ahnung gehabt. Der Joe Frazier sagt ja, Ali wird von Gott mit dieser Krankheit bestraft, weil er sich als den Größten bezeichnet. Als er in der Wiener Staatsoper 1999 den World Sports Award bekommen hat, konnte ich kurz mit ihm reden. Er hat mich umarmt, hat gesagt: "Allah bless you", und dann hat er gemeint, dass dieses Schicksal der Tribut für seine Weltberühmtheit ist - dafür, dass er von allen geliebt wurde. Er hat ja das Parkinson-Syndrom, nicht nur die Parkinson'sche Krankheit - fragen Sie mich nicht, was der Unterschied ist. Es ist furchtbar.
Ist die Krankheit eine Spätfolge des Boxens?
Das ist nicht erwiesen. Er ist sicher nicht punch-drunk, wie man in Amerika sagt, also vom Boxen blöd geworden. Es ist aber möglich, dass die Krankheit durchs Boxen beschleunigt wurde. Ich war einmal Teilnehmer einer Boxdiskussion in der Innsbrucker Olympiahalle, die im Fernsehen gezeigt wurde, und da hat ein Neurologe zu mir gesagt: "Sie sind der Marktschreier dieses brutalen Sports! Schauen Sie sich Ihr Vorbild an, den Muhammad Ali, wie der heute ausschaut." Darauf habe ich gesagt: "Darf ich eine Frage stellen? Wie viele Kämpfe hat der Herr Außenminister Mock hinter sich?" Da hats dann fürchterliche Zores gegeben.
Hätte Ali früher aufhören sollen?
Er selbst sagt immer, der härteste Kampf war nicht der gegen Larry Holmes 1980, wo er sehr viel abbekommen hat, sondern der dritte Kampf gegen Frazier.
Der "Thrilla in Manila" von 1975. Haben Sie den auch als so brutal empfunden?
Ja. Und obwohl sie später gesagt haben, sie hätten sich zu Absprachen und Kriegserklärungen getroffen, merkst du heute noch, dass es eine unendliche Rivalität zwischen den beiden gibt. Ich hab bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta den Frazier getroffen, und der hat sich bitter beklagt. "So ungerecht ist diese Welt!", hat er gesagt. Der Ali hat den Frazier ja immer als Onkel-Tom-Nigger bezeichnet, als einen, der sich dem weißen Mann unterwirft. "Und jetzt lassen Sie diesen Mann, der unsere Gesellschaft zersetzen wollte, die olympische Flamme entzünden!" Er war irrsinnig angefressen, hat sich richtig reingesteigert.
Wie gefährlich ist Boxen?
Ich erinnere mich, einmal haben wir Mike Tyson gegen Michael Spinks übertragen. Wir waren schon eine Dreiviertelstunde auf Sendung, und es ist niemand gekommen! Es hat sich dann herausgestellt: Der Tyson hat erfahren, dass spioniert wurde, und daraufhin hat er einen Sparringpartner so zusammengeschlagen, dass der einen Jochbeinbruch und einen Kieferbruch hatte. In der Kabine hat er dann noch drei Zwischenwände niedergerissen. Und der Michael Spinks hat gesagt, ich brauch kein Geld, ich will überleben - und wollte nicht rauskommen. Man hat ihn schließlich doch noch überredet, und der Kampf hat dann achtzig Sekunden gedauert. Also, diese Urgewalten, die da freigesetzt werden, sind ja pervers. So ein Schlag ist für unsereins tödlich. Und wenn wir uns hintereinander stellen, bringt er uns mit einem Schlag beide um.
Mike Tyson gegen Ali, beide in Hochform - wer würde gewinnen?
Der Tyson hat zwar eine unendliche Härte im Schlag, aber er ist ein primitiver Boxer - und das Boxen ist ja ein Schachspiel mit den Fäusten. Also, den Tyson hätte der Ali schwindlig getanzt.
Wer war eigentlich zuerst im ORF? Sigi Bergmann oder Ali?
Ich bin 1967 gekommen, da war er schon Weltmeister. Aber diese ersten Kämpfe hat man erst am nächsten Tag gesehen. Irgendwie war der Ali so eine Märchenfigur, er war so unwirklich ... damals haben Leute, die das Boxen zutiefst verachtet haben, alle zugeschaut. Beim ersten Kampf gegen Frazier, dem "Fight of the Century" am 8. März 1971, haben über zwei Millionen Österreicher zugeschaut, um vier Uhr in der Früh! Wenn das heute der Moik und die Vera zusammen haben, machen sie ein Fest. Und das in einem Land, wo man die Feinheiten seiner Gags gar nicht verstanden hat! Er hat das Boxen mit seinem Können zur Kunst hochstilisiert. Und wie er dann schlechter und langsamer geworden ist, war er schon so in den Herzen drin, dass man ihn als Ali trotzdem geliebt hat. Das ist so wie heute beim Pavarotti.
Wie viele Ali-Kämpfe haben Sie live gesehen?
Am Ring werde ich bei sieben oder acht Kämpfen gewesen sein. Aber kommentiert habe ich alle wichtigen Kämpfe - bis auf den Kampf gegen den Larry Holmes. Da haben wir die Übertragung vom Norddeutschen Rundfunk übernommen. Das hat mich damals fast so getroffen wie ein guter rechter Haken.
Sie wollten einmal Sänger werden und sind bis heute ein glühender Opernfan. Werden Sie eigentlich manchmal gefragt, wie sich das mit dem Boxen verträgt?
Als ich bei den Olympischen Spielen in Sydney war, musste ich als Opernfreak natürlich auch einmal dieses herrliche Operngebäude von innen sehen. Ich hab mich für einen Abend freigebettelt und mir die "Tosca" angeschaut. Dort treffe ich einen Kollegen vom deutschen Fernsehen, der hat gleich ein Interview mit mir gemacht. "Gerade hab ich Sie beim Boxen gesehen, jetzt sind Sie in der Oper, wie lässt sich das denn verbinden?" Darauf habe ich gesagt: "Es gibt medizinische Untersuchungen, dass Amateurboxen - mit Helm und so weiter - im Ranking der gefährlichsten Sportarten an zwölfter Stelle ist. Und dann gehe ich in die Oper, da begeht der Angelotti Selbstmord, der Scarpia lässt den Cavaradossi erschießen und wird von der Tosca ermordet, und zum Schluss stürzt sich die Tosca von den Zinnen der Engelsburg in die Tiefe. Da gehe ich schlotternd zu meinen harmlosen Boxern zurück!"
Warum wird im ORF kein Boxen mehr gezeigt?
Ganz verstehe ich das auch nicht. Ich finde, dass es keinen telegeneren Sport gibt. Das Kampffeld ist so groß wie ein Wohnzimmer - 36 Quadratmeter, es ist immer Action, immer was los, und für Frauen gibt es muskulöse, nackte Oberkörper zu sehen.
Sie sind seit knapp drei Jahren in Pension. Geht Ihnen der Job ab?
Der Kontakt mit den Sportlern fehlt mir schon. Wenn man sieht, wie sich Leute durch ihre körperlichen Fähigkeiten nach oben arbeiten und sich dann auch im Leben zu einer beachtlichen Persönlichkeit entwickeln ... Meine Frau sagt, ich war die ersten zwei Jahre so unrund wie noch nie. Jetzt, in Salt Lake City, bei meinen 17. und wahrscheinlich letzten Spielen als Reporter, war es eine Herausforderung für mich, als alter Herr mit einem jungen Team zusammenzuarbeiten. Dass ich dieses hohe Tempo mitgehen konnte, war für mich eine Befriedigung.
Wie sind Sie überhaupt in den Eiskanal geraten?
Ich habe immer gern mit Außenseitern gearbeitet. Das erste Mal hab ich 1976 Bob und Rodeln übertragen, damals war mein Nachbarkommentator übrigens der Jackie Stewart für die BBC.
In Salt Lake City haben Sie einen minimalen Zeitabstand beim Rodeln mit dem "Wimpernschlag einer Libelle" verglichen. Ist Ihnen das eigentlich spontan eingefallen?
Das war spontan, ja. Solche Sachen kannst du nicht vorbereiten.
Wie Ali haben Sie das Gesetz "They never come back" schon mehrmals gebrochen. Wird Sigi Bergmann wiederkommen?
Man hat mich offiziell nicht verständigt, aber es gab angeblich eine Weisung von der neuen Generaldirektorin, keine Pensionisten mehr zu beschäftigen. Damit ist dieses Hintertürl auch zu. Boxen zu übertragen wäre für mich heute noch genauso lustig wie früher, das geht mir schon ab. Deswegen würde ich kein Mal weniger in die Oper gehen oder kein Buch weniger lesen. Aber für mich war es eine wunderschöne Zeit. Es hat mir viel gegeben.
ALI - DIE FAKTEN
Chronologie einer Karriere
- 1942
- Cassius Clay wird in Louisville, Kentucky, geboren. Anders als die meisten schwarzen Boxer stammt Clay aus einer Mittelstandsfamilie. Mit zwölf beginnt er zu boxen.
- 1960
- Der unter Flugangst leidende Clay fliegt mit umgeschnalltem Fallschirm nach Rom und gewinnt bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Dass er die Medaille nach der Rückkehr in die USA aus Protest gegen die Rassendiskriminierung in einem Fluss versenkt hat, ist nur eine Legende. Clay wird Profiboxer.
- 1964
- Gegen den grimmigen Sonny Liston, dem Verbindungen zum organisierten Verbrechen nachgesagt werden, wird Cassius Clay in Miami Beach zum ersten Mal Weltmeister im Schwergewicht. "Eat your words!", ruft er den Journalisten zu, die ihm vor dem Kampf keine Chance gegeben haben. Eine Woche nach dem Kampf legt der Weltmeister, der mittlerweile der Nation of Islam (der radikalen schwarzen Moslem-Bewegung um Elijah Muhammad und Malcolm X) beigetreten ist, seinen "Sklavennamen" Cassius Clay ab. Von nun an heißt er Muhammad Ali.
- 1966
- Nachdem er zunächst untauglich geschrieben wurde, weil er den IQ-Test nicht bestanden hatte, wird Ali nun doch zur Army einberufen - und verweigert aus religiösen Gründen den Dienst. Sein spontaner Ausspruch "I ain't got no quarrel with the Vietcong" ("Ich hab kein Problem mit dem Vietkong") wird zum geflügelten Wort in der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung. Ali drohen fünf Jahre Haft, er verliert die Boxlizenz und damit auch den WM-Titel. Auf dem Höhepunkt seines Könnens darf Ali mehr als drei Jahre lang nicht boxen.
- 1974
- Boxpromoter Don King ruft zum "Rumble in the Jungle" nach Kinshasa. In der Hauptstadt des von Diktator Mobutu regierten Zaïre bekommt Ali gegen George Foreman die Chance, den Titel zurückzugewinnen. Außenseiter Ali siegt durch K. o. in der 8. Runde.
- 1975
- Auf den Philippinen steigt der "Thrilla in Manila" - der dritte und brutalste Kampf gegen seinen härtesten Gegner Joe Frazier, den Ali als "Gorilla" verspottet. Eine Runde vor Schluss wirft Fraziers Trainer das Handtuch, nach dem Sieg in seinem letzten großen Kampf bricht Ali zusammen.
- 1978
- Im Februar verliert ein übergewichtiger Ali gegen Leon Spinks, im Retourkampf im September erobert er den Titel zurück und beendet seine Karriere. Zwei Comebackversuche (1980 und 1981) verlaufen erfolglos.
- 1996
- Ein von der Parkinson'schen Krankheit, deren Symptome erstmals 1984 diagnostiziert wurden, gezeichneter Ali entzündet in Atlanta das olympische Feuer. Muhammad Ali lebt mit seiner vierten Frau Lonnie in Michigan.
ALI - DER FILM
Boxing in the Rain
Ein paar Tage, bevor er seinen ersten Weltmeistertitel im Schwergewicht errang, begegnete Muhammad Ali, damals noch Cassius Clay geheißen, den Beatles. "Der einzig Intelligente, der mit der Brille", behauptet Ali (Will Smith) im Film, hätte ihm bei dieser Gelegenheit erklärt, was es mit dem Berühmtsein so auf sich habe: "Je echter du wirst, umso unechter wird alles andere."
Vielleicht ist dieser Satz, geschrieben von einem der insgesamt fünf im Vorspann für Drehbuch und Story genannten Autoren, der Schlüssel zu "Ali", der von der Boxlegende selbst unterstützten Filmbiografie, mit der sich Michael Mann, der kompetente Hollywood-Handwerker und Regisseur von Thrillern wie "Heat" und "The Insider", allerdings merklich verhoben hat.
Biografien wie die Muhammad Alis sprengen den Rahmen des Üblichen, und so ist es nur konsequent, dass "Ali" sich auf eine Dekade seiner Vita, 1964 (den Titelkampf gegen Sonny Liston) bis 1974 (Titelkampf gegen George Foreman), beschränkt. Dennoch hapert es an der Dramaturgie, und zwar gewaltig. Mann kommt nie wirklich ins Erzählen, sondern der ganze Film hantelt sich, fast wie ein Musical, von einer production number zur nächsten: nur, dass hier eben nicht getanzt, sondern geboxt und zwischen den Nummern ausgiebig über Politik, die "Nation of Islam" und Vietnam palavert wird.
"Ali" will mehr sein als ein Boxerfilm: ein Denkmal für eine lebende Legende, ein Film über die Sixties, eine amerikanische Success-Story. Eben das ist sein Problem. Muhammad Ali hat längst kein Denkmal mehr nötig: Die penetrante Art und Weise, in der sich Autoren und Regisseur bemüßigt fühlen, seine historische Bedeutung (und damit, natürlich, die ihres Films) zu unterstreichen, ist nur umso ärgerlicher.
Was könnte Michael Mann beweisen, das Ali nicht selbst bewiesen hat? Mann scheint die Auffassung zu vertreten, dass die Leute in den Sechzigern auf der Straße noch bevorzugt in Zeitlupe herumgelaufen seien, und ansonsten Eric Roth (dem Autor von "Forrest Gump") den Feinschliff am Drehbuch überlassen zu haben. Kaum verwunderlich, dass im Film bedeutende Persönlichkeiten en suite aufmarschieren und sich der "Champ" vor lauter Celebrities mitunter regelrecht umzingelt sieht: Malcolm X, Martin Luther King, Präsident Mobutu von Zaire, Idi Amin, Sam Cooke, das volle Programm. So, als wäre Ali ohne sie bloß irgendein weiterer Forrest Gump. MICHAEL OMASTA
Ab 16.8. im Kino (OF im Artis).
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