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| Öci kürrekt! |
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FERNSEHEN In der ersten österreichischen Ethno-Comedy "Unkürrekt" ist er der Mann fürs Grobe: Özaydin Akbaba, Gastarbeiterkind mit Vergangenheit, Schauspieler und Held der türkischen Community, will mehr sein als der Vorzeigetürke. JULIA ORTNER |
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| So eine Sauerei. Breitbeinig, stiernackig und penetrant steht dieser Türke da vor der Rolltreppe im Shoppingcenter und kommandiert die Einheimischen herum. Hübsche Mädels lässt er passieren, andere dürfen nicht rauf. "Gesichtskontrolle" bellt er die verdutzten Ösis an. Derselbe Mann, andere Unverschämtheit. Vor einem Baumarkt quatscht er die Einkäufer in schönstem Kanakendeutsch an, getarnt mit blauer Spiegelbrille. "Bei mir alles fünfzig Prozent billiger. Was brauchst du?" Erstaunte Blicke, also diese Ausländer mit ihren miesen Geschäften. Aber erkundigen wird man sich trotzdem noch dürfen: "Was kostet ein Türstock bei dir?" Der schamlose Schwarzmarkthändler verzieht sich erst, als ein strenger Baumarktmensch vor ihm steht. "Polizei? Ich geh lieber." Özaydin Akbaba ist der Mann fürs Grobe, zumindest in der ATV+-Comedy "Unkürrekt". Der Provokateur vom Dienst. Aber auch der Lustige, der Beschützer, der große starke Bruder, den jeder gerne hätte. Ein Typ mit vielen Gesichtern. "In einer Szene mache ich den harten Typ, in der nächsten die Tunte", sagt der 36-Jährige und grinst. "Ich bin Schauspieler, das ist mein Job." Gespielt hat Akbaba schon einiges, "Kaisermühlenblues", "Tatort", "Kommissar Rex", Kellertheater, Werbespots bis zu "Medicopter". Vom naiven Burschen bis zum Gangster. Meist kleinere Rollen, aber zuletzt hatte er schon mal sieben Drehtage für eine Serie. Für einen türkischstämmigen Schauspieler in Österreich bereits eine beachtliche Karriere. Hierzulande gilt auch das freche Grundrezept der Ethno-Comedy "Unkürrekt" noch als revolutionär - auch wenn die "Ali G.-Show" in Großbritannien, "Erkan und Stefan" oder "Was guckst Du?" von Kaya Yanar in Deutschland schon seit Jahren zum Fernseh-Mainstream zählen. "Wir ,Ausländer' verarschen die Ösis, konfrontieren sie mit fremdenfeindlichen Klischees", erklärt Akbaba die einfache, aber effektive Strategie der Sendung, die mit einem jungen multiethnischen Team auf den Straßen Wiens gedreht wird. Den Namen Unkürrekt hat er sich ausgedacht. Und auch wenn es nur eine recht billig produzierte und sehr improvisiert daherkommende Comedy ist - ein neuer Geist, eine Botschaft schwingt da schon mit: junge Zuwanderer machen im Fernsehen ihr eigenes Ding. "Uns war vor allem die Tonalität des Humors wichtig, um Vorurteile abzubauen", erklärt ATVplus-Programmdirektor Markus Andorfer. Dank ziemlich guter Quoten wird die Sendung auf jeden Fall fortgesetzt. Überall, wo Akbaba, Spitzname Öcit, auftaucht, tut sich was "Özaydin bedeutet ja auch Licht", erklärt er. In seinem Fall mehr flirrendes Neon als ruhiges Kerzenlicht. Der selbstbewusste 1,85-Meter-Typ mit dem kantigen Gesicht steht quasi unter Dauerstrom. Telefonieren, Bekannten zuwinken, Kellner begrüßen. Seit "Unkürrekt" ist er auch das Idol der Jugendlichen der zweiten und dritten Generation, ein Held in der türkischen Community. Auf der Straße sprechen ihn die Kids an, tanzen ihm vor. Kinder der ehemaligen Gastarbeiterfamilien, viele ohne gute Ausbildung und mit Perspektiven, die über den Fließbandjob nicht hinausgehen. Sie wollen werden wie Öci. Deshalb hat Akbaba beim Verein Echo, der sich um diese jungen Leute kümmert, eine Castingagentur eröffnet. "Ich will den Begabten eine Tür zur Unterhaltung, zum Medienbereich öffnen." Seine Kontakte zur Branche sollen dabei helfen, genauso wie die vielen österreichischen Bekannten und Freunde. Akbaba ist ausgesprochen gut vernetzt - noch aus seiner Gastronomie-Vergangenheit. "Ich bin Österreicher und türkischer Kurde." Seine Agentur für die jungen Leute betreibt er ehrenamtlich, sein Engagement ist nicht nur dahergeredet. Denn er ist einer von ihnen. Ein Bub aus einer Gastarbeiterfamilie, der mit sieben Jahren aus der Türkei nach Wien zu den Eltern geholt wird. Der Vater, Kriminalbeamter, muss in Österreich am Fließband hackeln - als Kurde hätte er seine Position in der Türkei nicht halten können. Der Vater ist sehr streng, die Familie hat Angst vor ihm. Özaydin kann anfangs kein Deutsch, in der Türkei war er noch ein guter Schüler, jetzt pfeift er aufs Lernen. "Ich war zerrissen zwischen zwei Welten. Daheim der Vater, draußen die Freunde und die österreichische Gesellschaft." Immer wieder läuft er von zu Hause weg, will mit zehn in die Türkei abhauen, kommt ins Heim. Lernt die typischen falschen Freunde kennen, "stellt einen Haufen an", zieht mit der Gang herum. Dann der große Schock: Mit knapp 18 wird er wegen eines Raubüberfalls verhaftet und muss drei Jahre im Gefängnis absitzen. "Kumpels haben einen Typ abgefangen, der ihnen Geld geschuldet haben soll. Ich hatte mit der Tat nichts zu tun, war aber vor Ort dabei und wollte die anderen nicht hängen lassen", sagt Akbaba. Diese Episode hat er bisher noch in keinem Interview erzählt - aber besser, im Falter kommt so was raus, als eine bunte Illustrierte deckt einmal "exklusiv" seine Häfen-Vergangenheit auf, findet er. "Ich steh zu meiner Geschichte, aber ich lege Wert darauf, dass ich unschuldig war." Für die zumindest nachträgliche Feststellung seiner Unschuld will er kämpfen. Im Gefängnis hält er sich von den bösen Jungs fern, liest, trainiert, hockt allein herum. Das kommt bei den anderen nicht gut an, und er wird oft in Schlägereien verwickelt. "Ich habe mich gegen Ungerechtigkeit aufgelehnt, das ist ein Erbe meiner Familie, das waren kurdische Stammesführer." Ansonsten nimmt es Akbaba mit Weltanschauungen nicht so genau, er bezeichnet sich als "politisch eher links", ist "gläubiger Alevit, aber nicht extrem religiös", und heute vor allem eines: "harmoniebedürftig". Nach der Häfenzeit gelingt es ihm, als Kellner in der schicken Innenstadtszene Fuß zu fassen, er lernt dabei die Wichtigen und Halbwichtigen der Stadt kennen. Zuerst im Cafe Salzgries, später im Engländer. Eher zufällig stolpert er über seine erste Rolle, als er seinen Bruder zu einem Casting für eine "Tatort"-Minirolle begleitet. "Der Regisseur dort hat gesagt, du bist der Typ, den ich suche, du hast natürliches Talent", erinnert sich der Schauspieler. Er beginnt neben dem Kellnern in den Nächten tagsüber auf eine Filmschule im 10. Bezirk zu gehen - bei den großen Schauspielschulen kommt er nicht rein, weil er an seinem Akzent arbeiten muss. Akbaba lässt sich nicht unterkriegen, nimmt Sprach- und privaten Schauspielunterricht. Nach diversen kleinen TV-Rollen und einem erfolgreichen, aber finanziell mageren Engagement am Innsbrucker Kellertheater landet der junge Mann wieder in der Wiener Szene. Kellnern, jobben, Nachtleben, Koks. Alkohol, Schlägereien, aussteigen, Griechenland. Bis Özaydin Akbaba vor etwa drei Jahren sein wildes Leben radikal umkrempelt und wieder mit seiner Leidenschaft weitermacht: der Schauspielerei. Er ist der türkische Bub, der es geschafft hat, über die ungünstigen Ausgangsbedingungen hinweg. Und gerade deswegen ist er für viele Jugendliche ein Held zum Anfassen. "Er ist eine authentische Persönlichkeit und eines der ersten Gastarbeiterkinder aus der Arbeiterklasse, die es in Österreich zu etwas bringen können", sagt Echo-Chef Bülent Öztoplu, der Akbaba bei seiner Castingagentur unterstützt. Mit diesem Projekt wollen sie begabten Kids den sozialen Aufstieg über die Welt der Unterhaltung und der Medien ermöglichen - eine Welt, von der viele Zuwandererkinder seit dem Castingshow-Boom träumen. "Es kann nicht jeder vor die Kamera, aber auch sonst gibt es interessante Jobs rund um Film und Fernsehen, die den Leuten bisher verschlossen sind", meint Akbaba. "Unkürrekt" möchte er auch gerne weitermachen - allerdings sollte man das Format verbessern: "So ganz ohne Drehbuch funktioniert es nicht immer gut, wir brauchen mehr Professionalität." Derzeit schreibt der Schauspieler auch an einem Filmskript über sein eigenes Leben - als klassische Geschichte eines verlorenen türkischen Gastarbeiterkindes. Er hockt mit seinen jugendlichen Schützlingen bei Castings herum und beruhigt ihre besorgten Eltern. Er plant mit Kollegen eine Komödie am Theater, "Shakespeare oder Schiller würde ich aber auch gerne spielen". Hundert Pläne und Ideen flirren in Özaydin Akbabas Kopf herum - und irgendwie traut man dem Mann mit den vielen Gesichtern zu, einige von ihnen tatsächlich zu verwirklichen. Unkürrekt, ATV+, Fr, 23.25 Uhr. |
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