Die 5 da
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Ausgerechnet zu Allerheiligen wird auf Ö1 die erste Folge der neuen Satiresendung „Welt Ahoi“ gesendet. Es handelt sich um die Nachfolgesendung des Radioklassikers „Der Guglhupf“, der 31 Jahre lang jeden Sonntagvormittag gelaufen war. Wegen sinkender Hörerzahlen und der „großkoalitionären Harmlosigkeit“ der Sendung entschloss sich Ö1-Chef Alfred Treiber kurz vor seiner Ende des Jahres anstehenden Pensionierung zu einem Generationswechsel. Er beauftragte den Kabarettisten Martin Puntigam, der seit Jahren für FM4 arbeitet, ein zeitgemäßeres Satireformat zu entwickeln. Der neuen Mannschaft gehören neben Puntigam Schauspielerin Maria Hofstätter, TV-„Kaiser“ Robert Palfrader, Kabarettist Thomas Maurer und FM4-Ombudsmann Hosea Ratschiller an.
Falter: Am 1. November startet die neue Ö1-Sendung „Welt Ahoi“. Wie lautet Ihr Auftrag?
Martin Puntigam: Wir sollen das biologische Leben vom „Guglhupf“ verlängern, ohne so zu klingen. Die Perspektive: 30 Jahre Radiosatire am Puls der Zeit.
Wie wurde die Mannschaft zusammengestellt?
Puntigam: Ich bin – neben anderen – von Ö1 angesprochen worden und habe die anderen dann überreden können. Da hat sich mein Dasein als comedians’ comedian einmal bewährt. Ich glaube, die Kollegen hatten Mitleid mit mir, weil ich schon so lange versuche, Karriere zu machen.
Robert Palfrader: Wir finden das mittlerweile sogar schon lustig. Der Martin schreibt ein neues Programm? Ha, ha, ha! Nein, wir kennen einander ja von der Bühne. Bei der „Supernacht der Weihnachtsstars“ im Rabenhof haben vier von uns schon zusammen gespielt. Ich war damals übrigens Roberto Blanco.
Hosea Ratschiller: Ich habe das Angebot auch aus der Überlegung heraus angenommen, dass die anderen alle 20 Jahre älter als ich sind. In zehn, 15 Jahren bin nur noch ich da und uriniere auf eure Gräber.
Puntigam: Mir ist das lieber, als es kommt überhaupt keiner an mein Grab.
Maria Hofstätter war nie bei der „Supernacht“ dabei. Wie ist sie ins Boot gekommen?
Puntigam: Die Maria kenne ich, seit sie in meinem Theaterstück „Tod im Hallenturnschuhlager“ die Volksschullehrerin gespielt hat. Ich glaube, ihr geht es hauptsächlich um das regelmäßige Einkommen. Dadurch, dass sie nicht verheiratet ist, ist sie wirtschaftlich ja nicht abgesichert.
Kommen wir nochmals auf den Auftrag zu sprechen. Soll die Sendung ein satirischer Wochenrückblick bleiben, oder können Sie machen, was Sie wollen?
Ratschiller: Wie ich das verstanden habe, geht’s Ö1 darum, das demografische Verschwinden seiner Hörerschaft ein bisschen aufzuhalten und einem jüngeren Publikum ein Angebot zu machen: 50 plus ist unsere Zielgruppe. In den bisherigen Gesprächen hatte ich den Eindruck: Sie lassen uns alles machen, es gibt überhaupt keine Grenzen. Wir sind gespannt, ob die Augen da nicht größer waren als der Mund.
Palfrader: Das hast du jetzt sehr schön gsagt.
Puntigam: Es heißt aber Bauch, nicht Mund!
Palfrader: Ich finde trotzdem, dass er das sehr schön gsagt hat!
Ratschiller: Es ist tatsächlich so: Wir sollen das machen, was wir lässig finden. Das ist ein sehr spannender Auftrag.
Thomas Maurer: Natürlich unter Wahrung der Sprechkultur, die auf Ö1 herrscht.
Palfrader: Ans Mediengesetz brauchen wir uns nicht halten, haben sie uns gesagt.
Jede Woche eine Sendung zu machen, ist zwar reizvoll, kann aber auch in Arbeit ausarten. Haben Sie sich eigentlich gut überlegt, ob Sie den Job übernehmen sollen?
Palfrader: Na.
Puntigam: Also, ich hab mir das schon überlegt. Und im Grunde ist das jetzt ja nur eine Kompaktifizierung dessen, was der Hosea und ich bei FM4 ohnedies schon jahrelang gemacht haben. Also, beim AMS würde das nicht als Umschulung durchgehen. Wir wechseln den Arbeitsplatz. Und wir haben die Möglichkeit, vor doppelt so vielen – und doppelt so alten – Hörern zu arbeiten.
Ratschiller: Ich halte das für eine gute Gelegenheit, auch Themen aufzugreifen, die nicht von vornherein auf der Hand liegen. Es kann nicht darum gehen, die Adresse und die Telefonnummer von Werner Faymann zu veröffentlichen und zu sagen: Er ist schuld! Es sollte durchaus auch darum gehen, uns selbst zu befragen.
Maurer: Bezahlt, wohlgemerkt!
Die politische Satire, die in der Kabarettszene eine Zeitlang ziemlich out war, ist wieder im Kommen – siehe den Erfolg von Mascheks Kasperltheater. Woran liegt das?
Ratschiller: Ich glaube, das liegt auch daran, dass der Journalismus so schlecht ist. Die Leute gehen dort hin, weil sie das Gefühl haben, dass sie was erfahren.
Puntigam: Also, dass man im Kabarett Neues erfährt, kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, das hat es zuletzt in den 60er-Jahren gegeben.
Maurer: Das würde ich so nicht sagen. Wie ich das Programm „Die neue Selbstständigkeit“ gespielt habe, in dem ich 16 oder 18 Jahre FPÖ-Geschichte in eineinhalb Stunden runtergeblasen habe, bin ich nachher immer wieder auf bestimmte Details angeredet worden, die die Leute nicht gewusst hatten. Wobei man sagen muss: In der FPÖ hat damals ein Heuler den anderen gejagt, da stumpft man natürlich ab.
Palfrader: In dem Kabarettprogramm „Männer fürs Grobe“, das ich mit dem Florian Scheuba spiele, erzählt der Florian die Geschichte des Villacher ÖVP-Steuerberaters, der für ein mündliches Gutachten beim Verkauf der Hypo Alpe Adria zwölf Millionen Euro bekommen hat. Da glauben auch manche Zuschauer, dass wir das erfunden haben. Also, so etwas kann ein netter Nebeneffekt der Sendung sein.
Ist dieser Job eine Art Festanstellung für Kabarettisten? Könnten Sie allein von der Ö1-Gage leben?
Ratschiller: Ja.
Palfrader: Nein.
Puntigam: Es ist auf jeden Fall sehr reizvoll. Wir produzieren die Sendung im Studio von Naked-Lunch-Keyboarder Stefan Deisenberger, müssen sie bis Samstag um 22 Uhr abliefern – und wenn wir uns nicht extrem blöd anstellen, dann wird sie dann auch so gesendet. Also, das ist schon ein Arbeiten, wie man es als Satiriker gern angeboten kriegt.
Sie alle waren bisher ja nicht untätig. Müssen Sie für die Sendung andere Jobs aufgeben?
Puntigam: Nein, das geht natürlich auf Kosten der Familie.
Ratschiller: Also, ich habe sehr viel Zeit. Ich spiele im Kabarett Niedermair momentan vor zwei, drei Leuten. Da kann ich also auch während der Vorstellung was arbeiten.
Maurer: Ich muss ehrlich sagen: Ich weiß noch nicht, wie das gehen wird. Ich hab nicht sehr gut nachgedacht, muss ich zugeben. Schauen wir einmal.
Wie sieht denn das Konzept aus?
Puntigam: Die Sendung orientiert sich am Mutterschiff. Das heißt, wir werden die Tonfälle von Ö1 übernehmen. Einerseits, um die Durchhörbarkeit zu gewährleisten, andererseits ist es natürlich reizvoll, wenn man im gewohnten Tonfall ganz was anderes sagt.
Ratschiller: Ö1 ist satirisch ein großartiges Umfeld, weil es dort allem gegenüber eine so große Ernsthaftigkeit gibt und ein so großes Selbstwertgefühl.
Maurer: Ö1 tritt ja allen Themen der Welt mit freundlicher Neugierde und Diskursbereitschaft gegenüber. Das wollen wir gerne übernehmen.
Sind Sie überhaupt Ö1-Hörer?
Alle: Ja.
Haben Sie auch den „Guglhupf“ gehört?
Puntigam: Ich hab relativ schnell festgestellt, dass ich nicht Zielpublikum bin.
Ratschiller: Ich hab’s als Kind gern gehört, so mit sechs, sieben Jahren. Damals habe ich allerdings geglaubt, dass das eine ernst gemeinte Informationssendung ist.
Maurer: Ich hab’s schon deshalb selten gehört, weil ich dann jedes Mal den ganzen Tag die „Guglhupf“-Kennmelodie vor mich hin gesungen habe – was zu ganz schlechter Stimmung in der Familie geführt hat.
Puntigam: Als Kind habe ich den „Guglhupf“ als Erlösung empfunden – weil ich den Heinz Conrads, der davor lief, überhaupt nicht ausgehalten habe.
Rechnen Sie nach der ersten Sendung mit Zuschauerausschreitungen?
Palfrader: Sie meinen brennende Ölfässer auf den Straßen, um die herum gospelsingende Pensionisten stehen?
Maurer: Also, dass irgendwann ein abgeschnittener Pferdekopf im Bett liegt, damit muss man schon rechnen.
Ratschiller: Wir werden in der ersten Sendung sicherheitshalber erklären, wie man einen Luftröhrenschnitt setzt – falls das Lachen im Halse stecken bleibt.
Halten Sie es für denkbar, dass die Sendung nur ein sardonischer Abschiedsscherz von Alfred Treiber ist, der mit Jahreswechsel in Pension geht?
Ratschiller: Alfred Treiber ist auf der einen Seite sehr mutig, weil er diese Sendung in Auftrag gegeben hat. Und auf der anderen Seite feig – weil er danach gleich in Pension geht.
Sind Sie vertraglich abgesichert?
Puntigam: Ja, wir haben für drei Jahre unterschrieben. Wenn die Sendung nach einem halben Jahr abgesetzt wird, haben wir bei vollen Bezügen sehr viel Freizeit.
Halten Sie es für möglich, dass die Sendung nach einem halben Jahr eingestellt wird?
Ratschiller: Ich möchte nicht sagen, dass das ein Ziel ist, aber: ja.
Puntigam: Das Publikum vom „Guglhupf“ ist unter Umständen nicht das Stammpublikum unserer Programme. Natürlich erwartet man da einen großen Aufschrei.
Maurer: Ich glaube, den Aufschrei gäbe es aber auch, wenn die Simpl-Stammmannschaft die Sendung übernommen hätte.
Ratschiller: Also, ich hätte die „Guglhupf“-Hörer gerne als Publikum. Ich möchte sie gerne einladen, auch zu mir nach Hause. Ich kann gut massieren!
Maurer: Auch ich möchte mich nicht an dieser Altenhatz beteiligen, das muss man partnerschaftlich lösen. Außerdem gibt es in der jetzigen Seniorengeneration nur noch sehr wenige Kriegsverbrecher. Insofern sind sie uns als Publikum willkommen.
Ratschiller: Ich gehe am Sonntagnachmittag zum Beispiel lieber in die Aïda als ins Schleifmühlviertel, weil die Gespräche da viel interessanter sind. Letztens haben da zwei alte Damen – die waren sicher schon 80 – über Werner Schwab diskutiert! Das passiert dir im Point of Sale selten.
Das waren wahrscheinlich Erni Mangold und Hilde Sochor. Wie ist das, zum Beispiel, mit Karl-Heinz Grasser? Wäre der ein Thema?
Puntigam: Ja, aber natürlich in einer transponierten Form. Da kann man nicht einfach nur sagen: „Jetzt erwischt’s den doch noch, vergunnt!“
Maurer: Obwohl – das könnte man fast schon wieder machen!
Puntigam: Weil ja am 1. November Allerheiligen ist, könnte man vielleicht einen Rosenkranz für ihn beten.
Maurer: Wir gründen die Karl-Heinz-Grasser-Gebetsliga!
Ratschiller: Ich hab mich in der Vorbereitung für die Sendung jetzt tatsächlich mit dieser Buwog-Affäre beschäftigt – nur um dahinterzukommen, dass das erstens eh alles so ist, wie man sich’s erwartet, und dass mich dieser Mensch zweitens weiterhin nicht interessiert. Also, von mir wird da wenig kommen.
Maurer: Also ich hab den Grasser jetzt von meiner traditionellen Nikolaus-Charity wieder ausgeladen. Mir gefällt das nicht, wie er sich da verhalten hat.
Palfrader: Ich war auch überrascht, dass er nicht der Mensch ist, für den ich ihn gehalten habe. Er schaut wirklich gut aus, und die Anzüge sitzen.
Puntigam: Mir tuen seine Angehörigen leid. Weil den Schas, den der in der Öffentlichkeit redet, wird er zuhause ja auch sagen. Und die müssen ihm zuhören!
(Maria Hofstätter stößt zur Runde.)
Ahoi, Frau Hofstätter! Was haben Sie denn gedacht, als Martin Puntigam Sie gefragt hat, ob Sie mitmachen wollen?
Maria Hofstätter: Mein erster Gedanke war: Die wollen mich nur, weil ich einen großen Busen habe. Der Martin hat aber gesagt, er schätzt meine Arbeit.
Palfrader: Und das hast du geglaubt? Als ich gehört habe, die Mitzi ist auch dabei, war ich total begeistert. Weil ich mir gedacht habe: geil!
Hofstätter: Ich sag’s ja, es geht euch nur um Busen!
Palfrader: Wobei das im Radio Dutteln vor die Säue werfen ist.
Zuletzt haben Sie ja hauptsächlich Film und Theater gemacht. Am Beginn Ihrer Karriere aber waren auch Sie einmal Kabarettistin.
Hofstätter: Ja, aber nicht im Radio. Also, das ist schon was Neues für mich. Aber ich sehe mich sowieso nicht so in Schubladen.
Wie ist das bei Ihnen, Herr Palfrader? Ist dieser Job für Sie eine Chance, dem Kaiser-Hype zu entkommen?
Maurer: Ö1 als letzter Fluchttunnel in die Anonymität!
Palfrader: Nein, ab Jänner spiele ich sowieso im Volkstheater.
Werden in der Sendung eigentlich immer alle fünf auftreten?
Puntigam: Mehr oder weniger. Der Vorteil vom Rundfunk ist ja, dass man nicht gesehen wird. Das heißt, man kann da auch voraufzeichnen. Man kann auch unrasiert sein und stinken.
Palfrader: Und der Martin nutzt das schamlos aus!
Ihre Vorgänger haben die Sendung 31 Jahre lang gemacht. Stellen Sie sich auf eine ähnlich lange Dienstzeit ein?
Palfrader: Ich glaube gar nicht, dass ich noch so lange lebe.
Ratschiller: Das glaube ich auch nicht.
Falter: Am 1. November startet die neue Ö1-Sendung „Welt Ahoi“. Wie lautet Ihr Auftrag?
Martin Puntigam: Wir sollen das biologische Leben vom „Guglhupf“ verlängern, ohne so zu klingen. Die Perspektive: 30 Jahre Radiosatire am Puls der Zeit.
Wie wurde die Mannschaft zusammengestellt?
Puntigam: Ich bin – neben anderen – von Ö1 angesprochen worden und habe die anderen dann überreden können. Da hat sich mein Dasein als comedians’ comedian einmal bewährt. Ich glaube, die Kollegen hatten Mitleid mit mir, weil ich schon so lange versuche, Karriere zu machen.
Robert Palfrader: Wir finden das mittlerweile sogar schon lustig. Der Martin schreibt ein neues Programm? Ha, ha, ha! Nein, wir kennen einander ja von der Bühne. Bei der „Supernacht der Weihnachtsstars“ im Rabenhof haben vier von uns schon zusammen gespielt. Ich war damals übrigens Roberto Blanco.
Hosea Ratschiller: Ich habe das Angebot auch aus der Überlegung heraus angenommen, dass die anderen alle 20 Jahre älter als ich sind. In zehn, 15 Jahren bin nur noch ich da und uriniere auf eure Gräber.
Puntigam: Mir ist das lieber, als es kommt überhaupt keiner an mein Grab.
Maria Hofstätter war nie bei der „Supernacht“ dabei. Wie ist sie ins Boot gekommen?
Puntigam: Die Maria kenne ich, seit sie in meinem Theaterstück „Tod im Hallenturnschuhlager“ die Volksschullehrerin gespielt hat. Ich glaube, ihr geht es hauptsächlich um das regelmäßige Einkommen. Dadurch, dass sie nicht verheiratet ist, ist sie wirtschaftlich ja nicht abgesichert.
Kommen wir nochmals auf den Auftrag zu sprechen. Soll die Sendung ein satirischer Wochenrückblick bleiben, oder können Sie machen, was Sie wollen?
Ratschiller: Wie ich das verstanden habe, geht’s Ö1 darum, das demografische Verschwinden seiner Hörerschaft ein bisschen aufzuhalten und einem jüngeren Publikum ein Angebot zu machen: 50 plus ist unsere Zielgruppe. In den bisherigen Gesprächen hatte ich den Eindruck: Sie lassen uns alles machen, es gibt überhaupt keine Grenzen. Wir sind gespannt, ob die Augen da nicht größer waren als der Mund.
Palfrader: Das hast du jetzt sehr schön gsagt.
Puntigam: Es heißt aber Bauch, nicht Mund!
Palfrader: Ich finde trotzdem, dass er das sehr schön gsagt hat!
Ratschiller: Es ist tatsächlich so: Wir sollen das machen, was wir lässig finden. Das ist ein sehr spannender Auftrag.
Thomas Maurer: Natürlich unter Wahrung der Sprechkultur, die auf Ö1 herrscht.
Palfrader: Ans Mediengesetz brauchen wir uns nicht halten, haben sie uns gesagt.
Jede Woche eine Sendung zu machen, ist zwar reizvoll, kann aber auch in Arbeit ausarten. Haben Sie sich eigentlich gut überlegt, ob Sie den Job übernehmen sollen?
Palfrader: Na.
Puntigam: Also, ich hab mir das schon überlegt. Und im Grunde ist das jetzt ja nur eine Kompaktifizierung dessen, was der Hosea und ich bei FM4 ohnedies schon jahrelang gemacht haben. Also, beim AMS würde das nicht als Umschulung durchgehen. Wir wechseln den Arbeitsplatz. Und wir haben die Möglichkeit, vor doppelt so vielen – und doppelt so alten – Hörern zu arbeiten.
Ratschiller: Ich halte das für eine gute Gelegenheit, auch Themen aufzugreifen, die nicht von vornherein auf der Hand liegen. Es kann nicht darum gehen, die Adresse und die Telefonnummer von Werner Faymann zu veröffentlichen und zu sagen: Er ist schuld! Es sollte durchaus auch darum gehen, uns selbst zu befragen.
Maurer: Bezahlt, wohlgemerkt!
Die politische Satire, die in der Kabarettszene eine Zeitlang ziemlich out war, ist wieder im Kommen – siehe den Erfolg von Mascheks Kasperltheater. Woran liegt das?
Ratschiller: Ich glaube, das liegt auch daran, dass der Journalismus so schlecht ist. Die Leute gehen dort hin, weil sie das Gefühl haben, dass sie was erfahren.
Puntigam: Also, dass man im Kabarett Neues erfährt, kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, das hat es zuletzt in den 60er-Jahren gegeben.
Maurer: Das würde ich so nicht sagen. Wie ich das Programm „Die neue Selbstständigkeit“ gespielt habe, in dem ich 16 oder 18 Jahre FPÖ-Geschichte in eineinhalb Stunden runtergeblasen habe, bin ich nachher immer wieder auf bestimmte Details angeredet worden, die die Leute nicht gewusst hatten. Wobei man sagen muss: In der FPÖ hat damals ein Heuler den anderen gejagt, da stumpft man natürlich ab.
Palfrader: In dem Kabarettprogramm „Männer fürs Grobe“, das ich mit dem Florian Scheuba spiele, erzählt der Florian die Geschichte des Villacher ÖVP-Steuerberaters, der für ein mündliches Gutachten beim Verkauf der Hypo Alpe Adria zwölf Millionen Euro bekommen hat. Da glauben auch manche Zuschauer, dass wir das erfunden haben. Also, so etwas kann ein netter Nebeneffekt der Sendung sein.
Ist dieser Job eine Art Festanstellung für Kabarettisten? Könnten Sie allein von der Ö1-Gage leben?
Ratschiller: Ja.
Palfrader: Nein.
Puntigam: Es ist auf jeden Fall sehr reizvoll. Wir produzieren die Sendung im Studio von Naked-Lunch-Keyboarder Stefan Deisenberger, müssen sie bis Samstag um 22 Uhr abliefern – und wenn wir uns nicht extrem blöd anstellen, dann wird sie dann auch so gesendet. Also, das ist schon ein Arbeiten, wie man es als Satiriker gern angeboten kriegt.
Sie alle waren bisher ja nicht untätig. Müssen Sie für die Sendung andere Jobs aufgeben?
Puntigam: Nein, das geht natürlich auf Kosten der Familie.
Ratschiller: Also, ich habe sehr viel Zeit. Ich spiele im Kabarett Niedermair momentan vor zwei, drei Leuten. Da kann ich also auch während der Vorstellung was arbeiten.
Maurer: Ich muss ehrlich sagen: Ich weiß noch nicht, wie das gehen wird. Ich hab nicht sehr gut nachgedacht, muss ich zugeben. Schauen wir einmal.
Wie sieht denn das Konzept aus?
Puntigam: Die Sendung orientiert sich am Mutterschiff. Das heißt, wir werden die Tonfälle von Ö1 übernehmen. Einerseits, um die Durchhörbarkeit zu gewährleisten, andererseits ist es natürlich reizvoll, wenn man im gewohnten Tonfall ganz was anderes sagt.
Ratschiller: Ö1 ist satirisch ein großartiges Umfeld, weil es dort allem gegenüber eine so große Ernsthaftigkeit gibt und ein so großes Selbstwertgefühl.
Maurer: Ö1 tritt ja allen Themen der Welt mit freundlicher Neugierde und Diskursbereitschaft gegenüber. Das wollen wir gerne übernehmen.
Sind Sie überhaupt Ö1-Hörer?
Alle: Ja.
Haben Sie auch den „Guglhupf“ gehört?
Puntigam: Ich hab relativ schnell festgestellt, dass ich nicht Zielpublikum bin.
Ratschiller: Ich hab’s als Kind gern gehört, so mit sechs, sieben Jahren. Damals habe ich allerdings geglaubt, dass das eine ernst gemeinte Informationssendung ist.
Maurer: Ich hab’s schon deshalb selten gehört, weil ich dann jedes Mal den ganzen Tag die „Guglhupf“-Kennmelodie vor mich hin gesungen habe – was zu ganz schlechter Stimmung in der Familie geführt hat.
Puntigam: Als Kind habe ich den „Guglhupf“ als Erlösung empfunden – weil ich den Heinz Conrads, der davor lief, überhaupt nicht ausgehalten habe.
Rechnen Sie nach der ersten Sendung mit Zuschauerausschreitungen?
Palfrader: Sie meinen brennende Ölfässer auf den Straßen, um die herum gospelsingende Pensionisten stehen?
Maurer: Also, dass irgendwann ein abgeschnittener Pferdekopf im Bett liegt, damit muss man schon rechnen.
Ratschiller: Wir werden in der ersten Sendung sicherheitshalber erklären, wie man einen Luftröhrenschnitt setzt – falls das Lachen im Halse stecken bleibt.
Halten Sie es für denkbar, dass die Sendung nur ein sardonischer Abschiedsscherz von Alfred Treiber ist, der mit Jahreswechsel in Pension geht?
Ratschiller: Alfred Treiber ist auf der einen Seite sehr mutig, weil er diese Sendung in Auftrag gegeben hat. Und auf der anderen Seite feig – weil er danach gleich in Pension geht.
Sind Sie vertraglich abgesichert?
Puntigam: Ja, wir haben für drei Jahre unterschrieben. Wenn die Sendung nach einem halben Jahr abgesetzt wird, haben wir bei vollen Bezügen sehr viel Freizeit.
Halten Sie es für möglich, dass die Sendung nach einem halben Jahr eingestellt wird?
Ratschiller: Ich möchte nicht sagen, dass das ein Ziel ist, aber: ja.
Puntigam: Das Publikum vom „Guglhupf“ ist unter Umständen nicht das Stammpublikum unserer Programme. Natürlich erwartet man da einen großen Aufschrei.
Maurer: Ich glaube, den Aufschrei gäbe es aber auch, wenn die Simpl-Stammmannschaft die Sendung übernommen hätte.
Ratschiller: Also, ich hätte die „Guglhupf“-Hörer gerne als Publikum. Ich möchte sie gerne einladen, auch zu mir nach Hause. Ich kann gut massieren!
Maurer: Auch ich möchte mich nicht an dieser Altenhatz beteiligen, das muss man partnerschaftlich lösen. Außerdem gibt es in der jetzigen Seniorengeneration nur noch sehr wenige Kriegsverbrecher. Insofern sind sie uns als Publikum willkommen.
Ratschiller: Ich gehe am Sonntagnachmittag zum Beispiel lieber in die Aïda als ins Schleifmühlviertel, weil die Gespräche da viel interessanter sind. Letztens haben da zwei alte Damen – die waren sicher schon 80 – über Werner Schwab diskutiert! Das passiert dir im Point of Sale selten.
Das waren wahrscheinlich Erni Mangold und Hilde Sochor. Wie ist das, zum Beispiel, mit Karl-Heinz Grasser? Wäre der ein Thema?
Puntigam: Ja, aber natürlich in einer transponierten Form. Da kann man nicht einfach nur sagen: „Jetzt erwischt’s den doch noch, vergunnt!“
Maurer: Obwohl – das könnte man fast schon wieder machen!
Puntigam: Weil ja am 1. November Allerheiligen ist, könnte man vielleicht einen Rosenkranz für ihn beten.
Maurer: Wir gründen die Karl-Heinz-Grasser-Gebetsliga!
Ratschiller: Ich hab mich in der Vorbereitung für die Sendung jetzt tatsächlich mit dieser Buwog-Affäre beschäftigt – nur um dahinterzukommen, dass das erstens eh alles so ist, wie man sich’s erwartet, und dass mich dieser Mensch zweitens weiterhin nicht interessiert. Also, von mir wird da wenig kommen.
Maurer: Also ich hab den Grasser jetzt von meiner traditionellen Nikolaus-Charity wieder ausgeladen. Mir gefällt das nicht, wie er sich da verhalten hat.
Palfrader: Ich war auch überrascht, dass er nicht der Mensch ist, für den ich ihn gehalten habe. Er schaut wirklich gut aus, und die Anzüge sitzen.
Puntigam: Mir tuen seine Angehörigen leid. Weil den Schas, den der in der Öffentlichkeit redet, wird er zuhause ja auch sagen. Und die müssen ihm zuhören!
(Maria Hofstätter stößt zur Runde.)
Ahoi, Frau Hofstätter! Was haben Sie denn gedacht, als Martin Puntigam Sie gefragt hat, ob Sie mitmachen wollen?
Maria Hofstätter: Mein erster Gedanke war: Die wollen mich nur, weil ich einen großen Busen habe. Der Martin hat aber gesagt, er schätzt meine Arbeit.
Palfrader: Und das hast du geglaubt? Als ich gehört habe, die Mitzi ist auch dabei, war ich total begeistert. Weil ich mir gedacht habe: geil!
Hofstätter: Ich sag’s ja, es geht euch nur um Busen!
Palfrader: Wobei das im Radio Dutteln vor die Säue werfen ist.
Zuletzt haben Sie ja hauptsächlich Film und Theater gemacht. Am Beginn Ihrer Karriere aber waren auch Sie einmal Kabarettistin.
Hofstätter: Ja, aber nicht im Radio. Also, das ist schon was Neues für mich. Aber ich sehe mich sowieso nicht so in Schubladen.
Wie ist das bei Ihnen, Herr Palfrader? Ist dieser Job für Sie eine Chance, dem Kaiser-Hype zu entkommen?
Maurer: Ö1 als letzter Fluchttunnel in die Anonymität!
Palfrader: Nein, ab Jänner spiele ich sowieso im Volkstheater.
Werden in der Sendung eigentlich immer alle fünf auftreten?
Puntigam: Mehr oder weniger. Der Vorteil vom Rundfunk ist ja, dass man nicht gesehen wird. Das heißt, man kann da auch voraufzeichnen. Man kann auch unrasiert sein und stinken.
Palfrader: Und der Martin nutzt das schamlos aus!
Ihre Vorgänger haben die Sendung 31 Jahre lang gemacht. Stellen Sie sich auf eine ähnlich lange Dienstzeit ein?
Palfrader: Ich glaube gar nicht, dass ich noch so lange lebe.
Ratschiller: Das glaube ich auch nicht.
© Nachdruck bzw. Textübernahme - auch auszugsweise -
nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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